Gasetagenheizung
Definition:
Eine Gasetagenheizung ist ein dezentraler Heizsystemtyp, der Wohnungen oder Stockwerke einzeln mit Wärme und häufig auch mit Warmwasser versorgt. Im Gegensatz zur zentralen Heizungsanlage hat jede Wohnung eine eigene Gastherme, die unabhängig betrieben werden kann. Sie wird meist in Mehrfamilienhäusern eingesetzt und bietet den Vorteil der individuellen Heizkostenabrechnung.
🏡 Bedeutung der Gasetagenheizung in der Immobilienwirtschaft:
✅ Flexibilität: Jede Wohnung hat eine eigene Heizungsanlage – Bewohner entscheiden selbst über Temperatur und Verbrauch.
✅ Transparente Heizkosten: Heizkosten werden direkt über den eigenen Gaszähler abgerechnet.
✅ Wertsteigerung: In Bestandsimmobilien ist eine Umrüstung auf Gasetagenheizungen oft günstiger als eine zentrale Lösung.
⚙️ Funktionsweise einer Gasetagenheizung:
- Eine Gastherme in der Wohnung erzeugt Wärme durch die Verbrennung von Erdgas.
- Die erzeugte Wärme wird über Heizkörper oder Fußbodenheizung verteilt.
- Viele Geräte bieten gleichzeitig Warmwasserbereitung (Kombitherme).
- Die Temperaturregelung erfolgt individuell über Raumthermostate.
🛠️ Arten von Gasetagenheizungen:
1. Klassische Gasetagenheizung (mit Konstanttemperaturkessel):
- Ältere Technik mit gleichbleibender Betriebstemperatur.
- Hoher Gasverbrauch, da die Anlage dauerhaft auf Temperatur gehalten wird.
- Heute aus Effizienzgründen kaum noch empfohlen.
2. Brennwert-Gasetagenheizung:
- Moderne und energieeffiziente Variante.
- Nutzt zusätzlich die Wärme aus den Abgasen.
- 20–30 % geringerer Gasverbrauch im Vergleich zu älteren Modellen.
- Staatliche Förderung durch KfW oder BAFA möglich.
3. Kombitherme (Heizung + Warmwasser):
- Kompaktgerät, das sowohl Heizung als auch Warmwasser bereitstellt.
- Ideal für kleine Wohnungen.
- Warmwasser wird „on demand“ (Durchlauferhitzer-Prinzip) erzeugt.
💰 Vorteile einer Gasetagenheizung:
✅ Individuelle Abrechnung: Jeder Nutzer zahlt nur seinen eigenen Verbrauch.
✅ Geringe Installationskosten: Besonders in Mehrfamilienhäusern, da keine zentrale Heizungsanlage erforderlich ist.
✅ Effizienz: Mit moderner Brennwerttechnik werden die Heizkosten deutlich gesenkt.
✅ Autonomie: Keine Abhängigkeit von zentralen Heizzeiten oder Hausverwaltungen.
✅ Platzsparend: Kompakte Geräte – kein Heizkeller notwendig.
⚠️ Nachteile einer Gasetagenheizung:
❌ Hohe Wartungskosten: Jede Wohnung benötigt eine eigene jährliche Wartung (~150–250 € pro Jahr).
❌ Kosten für Schornsteinfeger: Jede Therme muss einzeln kontrolliert werden.
❌ Schwankende Gaspreise: Kosten abhängig von Gasmarkt.
❌ Platzbedarf: Gastherme benötigt einen eigenen Installationsort, z. B. in der Küche oder im Badezimmer.
❌ Emissionen: Fossiler Brennstoff – nicht die umweltfreundlichste Heizlösung.
📊 Kosten einer Gasetagenheizung:
1. Anschaffungskosten:
- Gastherme (Brennwert): 2.000 – 4.000 €
- Installation: 1.500 – 3.000 €
- Abgasrohre: 500 – 1.000 €
- Gesamtkosten (inkl. Einbau): ca. 4.000 – 8.000 €
2. Betriebskosten:
- Gasverbrauch: ca. 800 – 1.200 € pro Jahr (bei einer 70 m² Wohnung)
- Wartungskosten: 150 – 250 € pro Jahr
- Schornsteinfeger: 50 – 100 € pro Jahr
3. Fördermöglichkeiten:
- KfW-Förderkredite: Bis zu 20 % Zuschuss bei Austausch gegen alte Heizsysteme.
- BAFA-Zuschüsse: Für Brennwerttechnik in Kombination mit erneuerbaren Energien.
🏠 Relevanz für verschiedene Zielgruppen:
- Vermieter: Niedrige Installationskosten, einfache Abrechnung nach Verbrauch.
- Mieter: Volle Kontrolle über Heizkosten, keine Umlage über Nebenkosten.
- Hausverwaltungen: Reduziert Verwaltungsaufwand, da Heizkosten direkt mit dem Versorger abgerechnet werden.
- Bauträger: Kostengünstige Lösung für Bestandsmodernisierungen.
💡 Praxisbeispiele für die Nutzung einer Gasetagenheizung:
📌 Beispiel 1 – Sanierung eines Altbaus:
Ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten wird von einer Ölheizung auf Gasetagenheizungen umgerüstet.
- Kosten pro Wohnung: ca. 5.000 € (Therme, Einbau, Abgasleitung)
- Einsparung: ca. 25 % Heizkosten durch moderne Brennwerttechnik
- Vorteil: Jede Wohnung hat ihre eigene Heizkostenabrechnung.
📌 Beispiel 2 – Neubau mit Gasetagenheizungen:
In einem Mehrfamilienhaus werden 10 Wohnungen mit jeweils einer Kombitherme ausgestattet.
- Kosten: ca. 4.500 € pro Wohnung
- Vorteil: Kein zentraler Heizraum notwendig, geringere Baukosten.
- Betriebskosten: Direkt durch die Mieter getragen.
💡 Tipps für den effizienten Betrieb einer Gasetagenheizung:
✅ Moderne Brennwerttechnik wählen: Reduziert Verbrauch und schont die Umwelt.
✅ Regelmäßige Wartung: Verlängert die Lebensdauer und senkt langfristig die Kosten.
✅ Hydraulischen Abgleich durchführen: Optimiert die Wärmeverteilung und senkt den Gasverbrauch.
✅ Programmierbare Thermostate nutzen: Spart bis zu 20 % Heizkosten.
✅ Fenster und Türen abdichten: Reduziert den Wärmeverlust.
🚀 Zukunftsperspektiven:
- Hybridheizungen: Kombination aus Gasetagenheizung und Solarthermie.
- Smart-Home-Integration: Digitale Steuerung der Heizung per App.
- Wasserstoff-Ready-Heizungen: Zukunftssichere Brennwertgeräte, die auch Wasserstoff verbrennen können.
📌 Fazit:
Die Gasetagenheizung ist eine flexible, effiziente und individuell steuerbare Heizlösung – besonders geeignet für Mehrfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Sanierungsobjekte. Während die Anschaffungs- und Wartungskosten pro Wohnung höher sind, bietet sie Transparenz, autonome Heizkostenkontrolle und eine einfache Nebenkostenabrechnung. Mit moderner Brennwerttechnik und KfW-Förderungen bleibt sie eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative.