Reallast

Definition:

Eine Reallast ist eine dingliche Belastung, die auf einem Grundstück lastet und den Eigentümer zu einer bestimmten Leistung verpflichtet, die in der Regel nicht in Geld besteht. Es handelt sich dabei um eine Leistungslast, die meist in der Form von Sachleistungen erbracht wird. Die Reallast wird im Grundbuch eingetragen und kann nur durch den Grundstückseigentümer oder dessen Rechtsnachfolger ausgeübt oder erfüllt werden. Typische Reallasten können zum Beispiel das Recht auf die Lieferung von Obst, Wasser, Holz oder das Recht zur Nutzung von Ressourcen wie etwa einem Waldstück sein.

Im Gegensatz zu einer Grundschuld oder Hypothek, die zur Sicherung einer Geldforderung dienen, umfasst die Reallast eine Leistung, die nicht unbedingt monetärer Art ist.

Arten der Reallast:

Reallasten können in verschiedenen Formen bestehen, je nach Art der vereinbarten Leistung. Die häufigsten Formen der Reallast umfassen:

  • Sachleistungen: Hier verpflichtet sich der Grundstückseigentümer, eine bestimmte Menge an Sachleistungen zu erbringen, wie z. B. Holzernte, Lieferung von Wasser oder die Bereitstellung von natürlichen Ressourcen.

  • Geldleistungen: Auch wenn die Reallast primär keine Geldzahlung betrifft, kann sie unter bestimmten Umständen auch Zahlungsverpflichtungen beinhalten, etwa regelmäßige Zahlungen, die im Zusammenhang mit einem Grundstücks- oder Nutzungsrecht stehen.

  • Nutzungsrechte: In einigen Fällen kann eine Reallast auch in der Form eines Nutzungsrechts bestehen, beispielsweise wenn dem Berechtigten das Recht eingeräumt wird, auf dem belasteten Grundstück zu wohnen oder es anderweitig zu nutzen.

Bedeutung in der Immobilienbranche:

Im Immobilienrecht ist die Reallast eine Möglichkeit, bestimmte Leistungen oder Rechte vertraglich zu sichern, ohne dass eine klassische Geldschuld besteht. Sie ist oft ein Instrument der Dinglichen Sicherung und wird in vielen Fällen in Landwirtschaftsverträgen, im Bereich der Erbfolge oder in landwirtschaftlichen Nutzungsverhältnissen verwendet.

  • Sicherung von Naturleistungen: Ein typisches Beispiel für die Anwendung von Reallasten ist in der Landwirtschaft zu finden, wo sie als Mittel eingesetzt wird, um landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Naturprodukte wie Holz oder Wasser zwischen Grundstückseigentümern zu regeln.

  • Erb- und Familienrecht: Die Reallast spielt auch im Erb- und Familienrecht eine Rolle, vor allem in Zusammenhang mit der Nacherbschaft oder als Instrument zur Sicherstellung von Erbansprüchen, insbesondere in landwirtschaftlichen Familienunternehmen.

  • Transparenz und Sicherheiten: Für Grundstückseigentümer, die ihre Immobilien verkaufen oder vererben möchten, bietet die Reallast eine Möglichkeit, Leistungen zu verankern, die dann auch den zukünftigen Eigentümer binden, was für die Sicherstellung von langfristigen Vereinbarungen von Bedeutung sein kann.

Relevanz für verschiedene Zielgruppen:

  • Grundstückseigentümer: Für Grundstückseigentümer ist die Reallast eine Möglichkeit, Leistungen zu sichern, die sie zu bestimmten Zwecken auf ihrem Grundstück erbringen müssen. Diese können auch zu deren Vorteil sein, etwa wenn es sich um die Lieferung von Naturprodukten handelt, die sie selbst nicht vollständig nutzen können.

  • Berechtigte Dritte: Für die berechtigten Dritten, die Leistungen im Rahmen der Reallast erhalten, stellt sie eine verlässliche Möglichkeit dar, durch die ein Grundstückseigentümer zu regelmäßigen Sach- oder Geldleistungen verpflichtet wird. Dies kann insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe oder auch Privatpersonen von Bedeutung sein.

  • Immobilienkäufer: Immobilienkäufer sollten sich über etwaige Reallasten im Grundbuch informieren, da diese auch in der Regel auf den neuen Eigentümer übergehen. Es ist wichtig zu wissen, welche Leistungen ein Grundstückseigentümer zu erbringen hat, bevor ein Kauf abgeschlossen wird.

  • Rechtsanwälte und Notare: Für Rechtsanwälte und Notare ist es wichtig, die Reallast korrekt zu formulieren und im Grundbuch einzutragen, da sie eine dauerhafte Belastung des Grundstücks darstellen. Sie müssen sicherstellen, dass alle relevanten rechtlichen und praktischen Aspekte berücksichtigt werden.

Praktische Anwendung & Beispiele:

  • Beispiel 1 – Landwirtschaftliche Reallast: Ein Landwirt verkauft ein Grundstück, behält jedoch das Recht, alle zehn Jahre eine bestimmte Menge Holz aus dem Wald auf dem Grundstück zu entnehmen. Diese Regelung wird im Grundbuch als Reallast eingetragen, sodass der Käufer des Grundstücks verpflichtet ist, dem Landwirt das Recht zur Holzernte zu gewähren.

  • Beispiel 2 – Nutzung von Wasserrechten: Ein Grundstückseigentümer verpflichtet sich vertraglich, jährlich eine bestimmte Menge Wasser aus seinem Brunnen an den benachbarten Bauern abzugeben. Dieses Recht wird als Reallast im Grundbuch eingetragen und ermöglicht es dem Bauern, regelmäßig Wasser zu erhalten, ohne dass eine separate Vereinbarung getroffen werden muss.

  • Beispiel 3 – Reallast bei Erbfolgerechtsvereinbarungen: In einem Erbvertrag wird vereinbart, dass der Erbe eines landwirtschaftlichen Betriebs verpflichtet ist, regelmäßig eine bestimmte Menge Getreide an den vorherigen Besitzer oder seine Erben zu liefern. Diese Vereinbarung wird als Reallast im Grundbuch eingetragen und muss durch den neuen Eigentümer erfüllt werden.

Experten-Tipps & weiterführende Infos:

  1. Reallast und Grundbuch: Die Reallast wird im Grundbuch eingetragen, was bedeutet, dass sie für künftige Eigentümer eines Grundstücks verbindlich ist. Es ist wichtig, dass sowohl der Eigentümer als auch der Berechtigte alle Rechte und Pflichten genau verstehen, die mit der Reallast verbunden sind.

  2. Vertragliche Gestaltung der Reallast: Die Ausgestaltung der Reallast muss sorgfältig und detailliert erfolgen. Es sollten klare Angaben gemacht werden, welche Art von Leistung erbracht wird, wie häufig die Leistung zu erbringen ist und welche Konsequenzen bei Nichterfüllung bestehen.

  3. Begrenzte Flexibilität: Die Reallast kann für Grundstückseigentümer eine langfristige Verpflichtung darstellen, die nicht leicht aufgelöst oder geändert werden kann. Es ist wichtig, diese Bindung im Vorfeld gut zu bedenken, bevor eine Reallast vereinbart wird.

  4. Rechtliche Beratung: Aufgrund der Komplexität der Reallast und ihrer rechtlichen Auswirkungen auf Grundstücke und deren Eigentümer ist es ratsam, einen Anwalt zu Rate zu ziehen, um sicherzustellen, dass die Reallast rechtlich korrekt formuliert wird und keine späteren Streitigkeiten entstehen.

  5. Auswirkungen auf die Immobilienbewertung: Die Reallast kann den Wert eines Grundstücks beeinflussen, da die Verpflichtung zur Erbringung von Leistungen den zukünftigen Eigentümer in seiner Nutzung oder bei der Verwertung des Grundstücks einschränken kann. Dies sollte bei der Bewertung und beim Verkauf von Grundstücken berücksichtigt werden.


Die Reallast stellt eine bedeutende Möglichkeit dar, Leistungen und Verpflichtungen auf einem Grundstück vertraglich zu verankern. Sie kann sowohl für Grundstückseigentümer als auch für die berechtigten Dritten eine wertvolle Lösung sein, um langfristige Leistungen zu regeln und sicherzustellen. Eine sorgfältige vertragliche Gestaltung und rechtliche Beratung sind jedoch unerlässlich, um die gewünschten Rechte und Pflichten korrekt festzulegen.